Wenn
aus Zwanziger- Zweihunderternoten werden
Dan White aus
Gutenswil, hauptberuflich diplomierter Zauberer.
Dan White ist
diplomierter Zauberkünstler. Er liebt es, sein Publikum
zu verblüffen, mit Schalk und einem Augenzwinkern.
Vor sechs Jahren hat er sich der in Gutenswil wohnhafte
Alleinunterhalter entschieden, seine Nebenbeschäftigung
zum Beruf zu machen.
Artikel
von Werner Frei AvU/ZO
Das Rätselraten
beginnt schon bei der Suche nach der Hausnummer. Welches
ist die Nummer 6? Dan White steht unter der Haustüre
und weist lachend auf den darüber montierten Würfel.
Sechs Augen blicken dem Besucher entgegen. Der Hausherr
ist Zauberer, und er geniesst es, zu verblüffen. Dann,
wenn er mitten in einer Apérogesellschaft steht und
seine Portemonnaie Flammen speit, oder wenn er zwischen
Suppe und Kalbsgeschnetzeltem eine Zwanziger in eine Zweihunderternote
verwandelt. Wie macht er das?
Direkt
vor der Nase
Er steht direkt
vor mir, nicht weit entfernt, auf einer Bühne. Vor
meiner Nase. Zauberei, auch jetzt, als er ein Bistrotischen
vor meiner Kamera die Schwerelosigkeit überwinden lässt.
Zauberei? Ja, aber vor allem jahrelanges hartes Training.
«Schon als Kind habe ich jede Gelegenheit benützt,
um Zauberern bei der Arbeit zuzusehen», erinnert sich
der 37-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Mario
Prüller heisst. In Bibliotheken habe er nach Zauberbüchern
gestöbert, habe Veranstaltungen besucht und dabei Gleichgesinnte
kennen gelernt. So sei er immer tiefer in die Materie hineingeraten.
«Ich habe förmlich alles aufgesogen, was mit
Zauberei zu tun hatte, und mit zwölf Jahren hat es
bei mir voll eingeschlagen: Ich bekam meine ersten Auftritte.»
Berufsdiplom
als Zauberer
Nach der Lehre
als Elektromonteur habe er zwar auf dem Beruf gearbeitet,
jedoch nur zu 50 Prozent. Und mit 18 habe er nach einem
Jahr Vorbereitungszeit beim Magischen Ring der Schweiz die
Prüfung als Zauberer abgelegt. An den Schweizermeisterschaften
in Luzern wurde Dan White als zweitbester Magier ausgezeichnet.
Seine Zaubershow besteht aus zwei Teilen, die einzeln oder
zusammen gebucht werden können. «Beim sogenannten
Close-up Magic bewege ich mich unter den Gästen oder
gehe von Tisch zu Tisch», erklärt der Familienvater.
Wichtig sei, dass er das Publikum gleich von Anfang an in
seinen Bann ziehen könne: «Der erste Lacher ist
wichtig, dann ist das Eis meistens gebrochen.» Zauberei
sei Technik und Fingerfertigkeit, aber auch viel Psychologie.
Beim Zuschauer müssten Emotionen geweckt werden.
Tricks
lassen sich kaufen
Emotionen stünden
auch im Zentrum des zweiten Programmteils, der Comedy-Magic-Show
auf der Bühne, sagt Dan White. Wichtig sei auch die
«Verpackung» der Tricks, die oft auf traditionellen
Techniken basierten. «Der gute Zauberer entwickelt
aus dem bekannten Wissen seine eigene Nummer», sagt
White, der natürlich seine Tricks nicht verraten will.
Das gehöre zum Ehrenkodex eines diplomierten Zauberers.
Tricks könne man auch an den alle drei Jahre stattfindenden
Weltkongressen kaufen, doch «mit einem gekauften Trick
kann man sich keinen Namen schaffen.» Wenn man einen
Trick exklusiv erwerben wolle, könne dies mehrere zehntausend
Franken kosten. So besucht der Absolvent der dreijährigen
Theaterausbildung an der Mimenschule Ilg in Zürich
zwar die Kongresse, entwickelt aber seine Tricks lieber
selber.
Ich gehe
überall hin